101 Tage rauchfrei.

Hätte mir das vor 102 Tagen jemand gesagt, ich hätte die betreffende Person womöglich ausgelacht. Denn als ich am 3. Juli um 6:30 morgens beschloss, dass die übrigen Zigaretten in der Schachtel in meiner Hemdtasche die letzten sein werden, die ich in meinem Leben rauchen werde, kam dieser Entschluss absolut spontan und ohne jegliche Vorbereitung.

Natürlich überlegt man sich immer wieder mal, dass man mit dem Rauchen aufhören sollte. Natürlich ist einem bewusst, dass es schädlich ist, stinkt und eine schweinemäßige Menge an Geld verschlingt. Aber es hatte bis zu diesem Tag einfach noch nicht klick gemacht, in meinem Kopf. Und wenn ich das so schreibe, dann meine ich das genau so. Sich selbst zwingen zu müssen, mit dem Rauchen aufzuhören, ist eine Tortur, eine Folter. Es ist eine körperliche, aber noch viel mehr eine psychische Sucht. Und wenn man nicht wirklich die Nase vom Rauchen voll hat, dann helfen weder die langsame Entwöhung, noch Nikotinpflaster oder -Kaugummis, oder gar irgendwelche Bücher, einem diesen Weg einfacher zu machen. Denn ohne wirkliche Überzeugung muss man sich zu jeder Zeit dazu zwingen, nicht zu rauchen und es ist meines Erachtens kein Zeichen von Schwäche, wenn man rückfällig wird, sondern nur ein Zeichen dafür, dass man offenbar noch nicht bereit ist.

Ich war bereit. In meinem Kopf hatte es klick gemacht. Ein Schalter wurde umgelegt. Ich weiß nicht genau, was das ausschlaggebende Ereignis oder der ausschlaggebende Gedanke dazu war, wenn es das überhaupt gab, aber ich stand an diesem Dienstagmorgen hinter der Agentur in der Raucherecke, trank meinen Kaffee, zog an meiner Zigarette und irgendwie hatte ich keine Lust mehr darauf. Ich hatte keine Lust mehr, morgens um 6 Uhr, wenn ich 2 Stunden wach bin, bereits 5 Kippen geraucht zu haben. Ich hatte keine Lust mehr auf Tage, an denen ich bis Nachmittags nur einen winzigen Snack gegessen, aber bereits eine halbe Schachtel Zigaretten weggeraucht hatte. Ich hatte keine Lust mehr, von diesen Dingern abhängig zu sein.

Nicht, dass es mir körperlich schlecht ging. Obwohl ich fast 18 Jahre lang im blauen Dunst schwebte, kenne ich so etwas wie Raucherhusten am Morgen oder Übelkeit beim Rauchen auf leerem Magen nicht. Ich habe nicht aufgehört, um ein besserer, gesünderer Mensch zu werden, oder um Leute, die weiterhin rauchen anzupöbeln oder mich über sie zu beschweren. Auch nicht, um Unmengen an Geld zu sparen. Ich habe aufgehört, weil ich einfach keine Lust mehr hatte.

Natürlich lebt man gesünder, wenn man rauchfrei ist. Ein netter Nebeneffekt. Dass ich wieder mit den Joggen angefangen habe, hat aber nichts mit körperlicher Fitness zu tun, sondern einzig und allein damit, dass Joggen für mich eine wunderbare Möglichkeit ist, um den Kopf frei zu bekommen. Deswegen bin ich auch nicht regelmäßig unterwegs oder versuche, mich jede Woche selbst zu übertrumpfen. Ich laufe, wenn mir danach ist. Ich laufe, weil es mir Spass macht.

Desweiteren habe ich nichts gegen Raucher. Ich bin keiner von diesen penetranten Ex-Rauchern, die plötzlich einen riesigen Bogen um Raucher machen und gar nicht oft genug erwähnen können, wie ekelhaft und schädlich das ist. Mich stört es nicht, wenn Leute in meiner Umgebung rauchen. Auch nicht in Bezug darauf, dass ich vielleicht selber eine rauchen wollen würde. Ich fühle mich weder belästigt oder gestört, noch in Versuchung geführt.

Denn diesbezüglich hatte ich vor wenigen Tagen ein interessantes Erlebnis, als ich aus einer Laune heraus an einem Abend im Irish Pub nach 3 Pints Guinness auf die Idee kam, mal zwei, drei Züge an einer Zigarette zu machen und mich beinahe übergeben hätte. Das Kratzen im Hals, der widerliche Geschmack und das sich sofort einstellende Schwindel- und Übelkeitsgefühl waren so extrem, dass ich mich ernsthaft fragte, wie ich bis vor wenigen Wochen noch jeden Morgen direkt nach dem Aufwachen bereits 2 Zigaretten zu meinem ersten Kaffee rauchen konnte.

Fazit: Ich bin drüber hinweg. Ich bin fertig mit Rauchen. Mir fehlt absolut nichts. Ich habe keinerlei Entzugserscheinungen. Ich bin nicht agressiv, gereizt oder nervös. Ich bin stolz auf mich und das, was ich da mit absoluter Leichtigkeit geschafft habe. Ich genieße es, dass sich mein Geschmacks- und Geruchssinn verbessert hat, ich freue mich, dass ich nicht mehr so schnell aus der Puste komme und ich bin einfach glücklich, dass ich dieses Laster abgelegt habe und damit so unfassbar gut umgehen kann.