Die Zigarette danach.

Rauchen wird in unserer Gesellschaft ja immer mehr zum Verbrechen. Die Raucher selbst müssen sich immer öfter böse Anfeindungen an den qualmenden Kopf werfen lassen und von den astronomischen Preisen, die mittlerweile für Glimmstengel gezahlt werdn müssen, wollen wir garnicht erst reden.
Dennoch: Ich rauche gerne. Immer noch. Erspart mir jetzt bitte eure Moralpredigten, wie ungesund das ganze ist, und wie uncool und überhaupt. Interessiert mich alles nicht. Arbeiten ist beispielsweise auch ungesund, da hält mich aber auch keiner von ab. Sicherlich rauche ich zu viel. Irgend jemand hat mal gesagt: “Jede Zigarette, die man nicht bewusst genießt, ist eine zuviel.” Sehr guter Satz, wie ich finde. Sicherlich rauche ich mittlerweile aus Sucht. Sowohl aus körperlicher, als auch aus psychischer. Zum einen möchte mein Körper gerne, dass ich ihn mit Nikotin vollpumpe, zum anderen hat sich mein Gehirn aber auch an bestimmte, immer wiederkehrende Abläufe in meinem Alltag gewöhnt, die mit einer Zigarette getätigt werden. Sei es der erste Kaffee am Morgen, die Autobahnfahrt in die Firma, die Zigarette zum Bier oder die Zigarette während des Wartens an einem vereinbarten Treffpunkt. Auch um Nervosität zu lindern eignen sich die kleinen Sargnägel ganz wunderbar. Egal, ob vor wichtigen Gesprächen, in ungewohnten Situationen oder auf Parties, auf denen man nur 2 Leute kennt. Nämlich sich selbst und seine Begleitung.
Aber die schönsten Rauchermomente sind die Genusszigaretten. Die Zigarette “danach”. Und mit “danach” kann so ziemlich alles gemeint sein, nicht nur der in diesem Zusammenhang oft zitierte Sex. Obwohl wir diesen hier natürlich nicht ausschliessen wollen. Es mag schon sein, dass die Zigarette nach dem Sex die Stimmung ein wenig kaputt macht, aber erstens ist mir als Mann das sowieso egal und zweitens bietet sich bei einer anschliessenden, gemeinsamen Zigarette eine wunderbare Möglichkeit, in gelöster und gemütlicher Atmosphäre über das gerade geschehene zu sprechen. Entweder weil man sich erst vor wenigen Stunden im Club kennengelernt hat und endlich mal den Namen seines Gegenübers wissen möchte, oder weil man jetzt, nach dem erfolgreichen Seitensprung erstmal gemeinsam genau überlegen muss, wie es denn jetzt eigentlich weitergehen soll. Natürlich können aber auch Paare bei der Zigarette danach in ein interessantes Gespräch kommen. Eventuell möchte man dem Partner zu neu gelernten und erfolgreich angewandten Cunnilinguspraktiken beglückwünschen oder auf der anderen Seite seinem Missmut über die Abneigung der Frau, sich mal ordentlich ins Gesicht schlonzen zu lassen, Ausdruck verleihen. Die Zigarette nach dem Sex bietet auf jeden Fall eine gute Basis für konstruktive Gespräche.
Fast genauso gut, ich wage sogar zu behaupten, vielleicht sogar noch ein bisschen besser, ist die Zigarette nach dem Essen. Hat man sich den Bauch erstmal ordentlich mit Gebratenem und Gesottenem vollgeschlagen, dazu einen halben Liter Rotwein weggezwitschert und zum Schluss auch noch 4 Kugeln Vanilleeis in sich reingeschaufelt, stellt die Zigarette danach einen krönenden Abschluss eines perfekten Dinners (Darf ich das überhaupt schreiben, oder werde ich dann von VOX verklagt?) dar. Mit offenem Gürtel und gelockerter Krawatte lehnt man sich gemütlich zurück und lässt sich vom Nikotinstäbchen den Mangen verschließen. Ein Gefühl von innerem Frieden keimt auf. Manchmal freue ich mich schon während des Essens auf die Zigarette danach. Nichtraucher werden das nicht verstehen können und mich eventuell für meine Vorliebe gar aufs schärfste verurteilen, aber ich verlange auch kein Verständnis von euch. Lediglich ein kleines Bisschen Toleranz.
Als dritte und letzte möchte ich noch die Zigarette nach getaner Arbeit erwähnen. Und ich meine damit nicht die Arbeit, mit der wir alle unsere Brötchen verdienen. In meinem Fall spreche ich von der freiwillen Arbeit Zuhause am Computer. In meiner Freizeit. Sicherlich rauche ich auch zuviel, wenn ich Nachmittags, oder Abends oder bis spät in die Nacht vor meinem Mac hänge. Stellt doch jeder Ladebalken, jeder Programmstart und jedes Systemupdate eine wunderbare Gelegenheit dar, mal eben die Hände von Tastatur und Maus zu nehmen und sich eine anzustecken. Eine Nebenbei-Zigarette. Eine von der Sorte, die man sich eigentlich sparen sollte. Aber wenn ich einen Blogeintrag fertig geschrieben, bearbeitet und gepostet habe, wenn ich eine neue Podcast-Episode ins Internetz geschubst habe oder mit der Bearbeitung eines Bildes oder einer Illustration fertig bin, dann kommt auch in dieser Situation der Moment für die Zigarette danach. Entspannt zurücklehnen, auf das eben Erschaffene blicken und dabei genüsslich eine rauchen. Die Arbeit ist geschafft, man hat wieder etwas produziert und kann sich jetzt erstmal eine kleine Pause gönnen, bevor man vielleicht an das nächste Projekt geht oder möglicherweise auch etwas völlig anderes macht.
Sicherlich gibt es noch viele Situationen mehr, in denen die Zigarette danach zum Einsatz kommt. Ich für meinen Teil finde diese drei Punkte recht prägnant und ich denke, sollte ich mein Rauchverhalten einmal ändern und meinen Konsum einschränken wollen, sind es auf jeden Fall diese drei Momente, in denen ich mir den blauen Dunst nicht nehmen lassen möchte.
Wenn ich übrigens mal an Lungenkrebs sterbe, darf auf meiner Beerdigung natürlich auch geraucht werden. Auch schon während des Trauergottesdienstes.