Nicht für euch.

Hin und wieder, und vor allem in letzter Zeit, muss ich feststellen, das der/die eine oder andere sich mit meiner Art, wie ich manche Dinge sehe und welche Meinung ich zu dieser oder jener Sache habe, ziemlich vor den Kopf gestossen fühlt. Manche beschweren sich, bzw. beschimpfen mich dann öffentlich bei Twitter. Zum einen, um ihrem Unmut Luft zu machen, zum anderen um ihre vorgegaukelte, blitzblanke Moral, von der sie dann auch selbst noch überzeugt sind, an den Mann zu bringen. Andere nutzen die Möglichkeit von Direkt Messages, E-mails oder Facebook-Schnickschnack, um mit mir direkt und unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Kontakt zu treten, um mir dann den Spiegel vorzuhalten weil sie mir mit ihrer halbgaren Menschenkenntnis klarmachen wollen, dass sie mich längst durchschaut haben und ich doch im echten Leben bestimmt ein ganz netter bin und das hier doch sowieso alles nur Fassade ist.
Schön, dass ihr euch so viele Gedanken macht. Schön, dass ihr glaubt mich durch das Hören von knapp 400 Podcast Episoden und dem Lesen von etwas über siebzehntausend Tweets und ein paar pseudo-persönlichen Blogeinträgen, genau zu kennen. Interessant, wie wenig ihr benötigt, um euch ein klares Bild von einem Menschen zu machen, dem ihr niemals gegenüber gestanden habt, und mit dem ihr noch nie ein persönliches Wort gewechselt habt. Interessant auch, wie schnell ihr einen Menschen verurteilt und in eine Schublade steckt. Ihr, die ihr doch im gleichen Atemzug eure Toleranz und euer Mitgefühl für die ganze Welt ins Netz hinaus posaunt.
Schade, dass ihr nicht begreift, dass ich selbst entscheide, wie viel ich euch von meinem wirklichen Ich zeige und präsentiere. Schade, dass ihr nicht begreift, dass ich das Netz nicht nutze um mich vor euch zu entblössen und meine gesamte Privatsphäre und meine tiefsten und innersten Gefühle einer breiten Masse vor die Füsse zu kotzen. Schade, dass ihr nicht begreift, dass ich keinen Grund dazu sehe, mich hier in meiner 100%igen Tatsächlichkeit zu präsentieren, für eine graue Masse von Leuten die ich nicht kenne und die mir völlig egal sind. Ich mach das hier nicht, um irgend jemandem dass zu geben, was ihm gefällt. Das Netz ist gross und frei und jeder kann selber entscheiden, was er lesen, sehen und hören möchte, und was nicht.
Dumm von euch, wenn euch nicht klar ist, dass ich mir sehr wohl überlege, was ich hier poste und somit der Öffentlichkeit zugänglich mache und was ich für mich behalte, weil es einfach niemanden etwas angeht. Dumm von euch, wenn ihr jeden von mir geschriebenen Tweet und jeden Blogbeitrag auf die Goldwaage legt und versucht, in jedem Satz eine Spur zu meinen Emotionen und meinen Gefühlen zu finden.
Es ist wirklich traurig, dass manche von euch so dumm sind zu glauben, das die Summe der Hirnwichse in Blog, Podcast und Twitter zusammen ein vollständiges Bild von der Person auf der anderen Seite des Bildschirms ergeben könnte.
Die Sache ist im Grunde ganz einfach: Manche Sachen stimmen und kommen aus meinem tiefsten Inneren. Sie spiegeln meine Gefühle und meine Meinung wieder und repräsentieren meine Einstellung zu gewissen Dingen und Sachverhalten. Andere Sachen sind überzogen, in einen anderen Kontext gerückt, verdreht und entstellt, auf Provokation und Polarisation getrimmt, vielleicht sogar blumig ausgeschmückt oder gar erfunden worden. Manche Sachen meine ich ernst andere nicht. Sachen die ich nicht ernst nehme, nehmt ihr vielleicht ernst oder anders herum. Das ist dann aber eurer Problem, damit klar zu kommen und nicht meins.
Also regt euch nicht über mich auf. Sucht den Fehler bei euch selbst. Ich bin es nicht, der euch zwingt, dass hier zu lesen. Ihr selbst habt euch dazu entschlossen. Ich bin nur dafür da, euch bei der Reise an die Grenzen eurer Toleranz zu begleiten, was für einige, wie ich feststellen musste, nur ein sehr kurzer Ausflug ist.
Danke und schönen Tag noch.