Der Vergrämer liest in Bochum.

Eigentlich müsste es ja heißen “Der Vergrämer las in Bochum”, denn die Lesung war gestern, aber beim Tippen der Überschrift war ich mir ob der orthographischen Richtigkeit des Wortes “las” irgendwie nicht ganz sicher. Wie auch immer: Jan Uwe Fitz, den meisten Twitter-Usern besser bekannt als der @Vergraemer, hat gestern Abend im Kulturcafe der Uni Bochum aus seinem Wahnsinnsroman “Entschuldigen Sie meine Störung” gelesen.
Nachdem Herr Fitz mir bereits am Vortag via Twitter unterstellte, ich würde dort nur auflaufen, um ihn anzuspucken, und ich ihm mitteilte, dass ich ihm eigentlich lieber in einem unaufmerksamen Moment einen Finger abschneiden möchte, fragte er nach der ersten Hälfte der Lesung auch direkt nach, ob sich denn ein gewisser Bastard im Publikum befinden würde. Für soviel Aufmerksamkeit ließ ich mich dann sogar dazu herab, mir nach der Lesung noch eine gedruckte Ausgabe seines Machwerks zuzulegen, obwohl ich die eBook Variante, wie ich leider gestehen musste, noch nicht einmal zu Ende gelesen hatte.
Herr Fitz nam das gelassen zur Kenntnis, ließ es sich aber nicht nehmen, in seiner Widmung noch einmal nachtragend darauf hinzuweisen.

Wäre ich einer von diesen Profilern bei CSI oder dem Bullen von Tölz, ich würde mir ob des Schriftbildes von Herrn Fitz schon so meine Gedanken machen, aber wenn man das Buch erst einmal gelesen hat und dann noch einmal einen Blick auf die Widmung wirft, kann einen dieser verstörte, von schrecklichen Ängsten und Neurosen geplagte Mensch schon sehr leid tun. Deswegen, und weil es sein persönlicher Wunsch war, werde ich an dieser Stelle auch nur gutes über das Buch schreiben. Genauer gesagt, werde ich überhaupt nichts über das Buch schreiben, sondern viel mehr etwas über die Lesung aus dem selbigen.
Besonders aufregend fand ich nämlich, dass Jan Uwe Fitz zwischen den Kapiteln aus dem Buch auch das ein oder andere Kapitel von seinem iPad vortrug, welches es nicht ins Buch geschafft hatte. Hier galt es, besonders gut zuzuhören, was nicht schwer war, denn Herr Fitz hat durchaus eine nette Art, aus seinem Buch vorzutragen und den verschiedenen Charakteren mit seiner Stimme eine individuelle Persönlichkeit zu geben.
So saßen wir also in diesem kleinen, gemütlichen Cafe der Uni Bochum, die übrigens unfassbar hässlich ist. Links an der Wand hing ein Poster von Che Guevara, auf dem Fernseher über der Theke lief eine Hitler-Dokumentation und auf der Bühne saß Jan Uwe Fitz an einem kleinen Holzschreibtisch und erzählte von einer Metzgerin, die ihm bei der Überwindung seiner Angst vor anderen Menschen helfen sollte.
Alles in allem wirklich erheiternd und spannend. Danke, Herr Fitz.
Nach der Lesung führte uns der wunderbare @echt zusammen mit @nerotunes, @hirnrinde, @jutime, @alleyesonnick, @nachtblau, @unueberlegt und einigen anderen drittklassigen Twitterern dann noch in den Biergarten eines unglaublich verträumten, französischen Bistros, unweit der Universität. Eines von der Sorte, in denen die Kellner das Besteckt noch auf die Tischdecke malen, während die Kellnerinnen schon einen Brechreiz bekommen, ob der Tatsache, dass sie gleich einen Tisch mit einem guten Dutzend Internetfreaks bedienen müssen.
Herr Fitz gesellte sich dann kurze Zeit später auch noch zu uns, obwohl wir gehofft hatten, ihn auf dem Weg von der Uni in den Biergarten erfolgreich abgehängt zu haben. Er machte sich im Laufe des Abends einen Spass daraus, sich nacheinander die iPhones der anwesenden Twitterer unter den Nagel zu reissen, unter dem Vorwand er wolle “nur mal eben kucken”, nur um dann über deren Account fiese, fäkallastige Tweets in den Äther zu entsenden.
Der Abend war geprägt von Chili con Carne, Radler, Guinnes, schlecht gemachten Crêpes und jeder Menge kurzweiligen Gesprächen. An solchen Lesungen sollte sich Günter Grass mal ein Beispiel nehmen. Da macht auch ein Nobelpreis die biedere Stimmung im Lesesaal nicht wieder wett, Herr Grass!
Und jetzt, wo ich endlich Urlaub und ein bisschen Zeit habe, werde ich das Buch dann auch endlich mal zu Ende lesen. Versprochen, Herr Fitz!