Seriöses Headhunting geht anders.

Donnerstag Nachmittag. Ich sitze in der Firma Agentur und langweile mich, als plötzlich das Telefon schellt. Die Nummer auf dem Display stellt sich nach späterer, kurzer Recherche als die Nummer der Firma Batenborch heraus, dem selbsternannten Marktführer im Bereich Sales & Marketing Recruitment, Executive Search and Interim Management. Die mit unfassbar aufgeblasenen Phrasen und Plattitüden vollgebombte Website möchte mir suggerieren, dass es sich um eine seriöse Headhunter Firma handelt, aber irgendwie hab ich da meine Zweifel. Zum einen, weil das Hauptaugenmerk darauf liegt, dass die Firma selbst dringend Leute braucht und zum anderen, weil sich das nachfolgend protokollierte Gespräch ereignete.

“Batenborch International, mein Name ist (keine Ahnung),
spreche ich mit dem Filialleiter?”

“Ja, tun sie.”

“Können Sie zur Zeit ungestört sprechen?”

“Möglicherweise.”

“Sehr schön. Unser Unternehmen ist marktführend im
Bereich… (jede Menge Geschaffel) und wir sind ständig
auf der Suche nach gut ausgebildeten Fachkräften mit
Hingabe zu ihrem Job und… (noch mehr Geschaffel) es
geht darum, dass wir eine Empfehlung erhalten haben,
dass Sie in ihrer Firma eine Führungsperson mit
herausragenden Eigenschaften sind und dass sie…
(jede Menge Honig in meinem Bart) und daher möchte
ich Sie fragen: Sind sie an daran interessiert, Ihre
berufliche Karriere voran zu treiben?”

“Ich wurde Ihnen also empfohlen?”

“Ja, richtig. Uns wurde mitgeteilt, dass sie in ihrer
Firma eine Führungsperson…”

“Ja, das sagten sie bereits.
Wer hat mich denn empfohlen?”

“Bitte haben Sie Verständnis, dass diese
Information vertraulich ist.”

“Vielleicht. Wenn mich jemand empfohlen hat,
dann weiss dieser Jemand also,
wo ich arbeite und wer ich bin?”

“Ja.”

“Also wissen Sie auch, wer ich bin.”

“Ja.”

“Dann sagen sie es mir bitte.”

“Wie bitte?”

“Nennen Sie mir bitte meinen Namen.”

“Diese Information ist vertraulich, wie ich bereits…”

“Mein eigener Name ist vertraulich?”

“Hören Sie, es geht um ihre berufliche
Zukunft. Möchten Sie gerne Karriere machen?”

“Zuerst mal möchte ich, dass Sie
mir meinen Namen sagen.” 

“Möchten Sie gerne Karriere machen?”

“Wenn mich jemand empfohlen hat, und Sie
mich gezielt anrufen, dann müssen Sie doch
meinen Namen wissen.”

“Selbstverständlich.”

“Dann sagen Sie ihn, wenn Sie ihn wissen.”

“Warum stellen Sie sich denn so an?”

“Warum stellen Sie sich so an?
Wenn Sie mich anrufen, und mir
eine grosse Karriere in Aussicht
stellen, dann kann ich doch wohl
erwarten, dass Sie wissen, mit wem
Sie reden. Sagen sie mir meinen Namen und
wir können weitermachen.”

“…”

“Hallo?”

“Möchten Sie gerne Karriere machen?”

“Wenn Sie nicht wissen, mit wem Sie sprechen,
dann möchte ich eigentlich gar nichts,
ausser dieses Gespräch beenden.”

“Wenn Sie meinen.”

“Ja, ich meine. Auf Wiederhören.” 

Vielleicht war ich auch einfach nur zu skeptisch und mir ist gerade eine unfassbare Chance durch die Lappen gegangen. Aber da bin ich mir irgendwie nicht so sicher.