
Über diverse Kanäle lasse ich ja gerne mal ganz nonchalant raushängen, dass ich ein Freund der schwarzen Musikszene bin, was den einen oder anderen Freund des stereotypen Klischeedenkens gerne breit grinsend aus seiner Trollhöhle herauskrabbeln lässt, um ganz verrückte, und so noch nie da gewesene Äusserungen bezüglich dieser Musikrichtung und den damit verbundenen Leuten zu machen. Ja, ich trage gerne und fast ausschließlich schwarze Kleidung. Nein, ich treibe mich nicht des Nachts auf Friedhöfen herum und schubse Grabsteine um. Ja, ich mag Tattoos, Percings und Frauen in dicken, schweren Stiefeln. Nein, ich sitze nicht depressiv zuhause, höre Marilyn Manson und plane einen Amoklauf mit anschliessendem Suizid. Und nein, ich höre auch nicht den ganzen Tag nur böse schwarze Musik mit satanistischen und gewaltverherrlichenden Texten, während ich an sechs Stahlringen aufgehangen über einem Tierkadaver baumele und zwanghaft masturbiere. Manchmal schon. Aber eben nicht immer.
Gelegentlich höre ich auch andere Musik. Beispielsweise mag ich Klassik sehr gern, vor allem Chopin und Vivaldi. Instrumentalen Jazz finde ich auch ganz grossartig. Und elektronischen Kram. Hier vor allem die ruhigeren Sachen. Dinge von Air, Kraftwerk oder auch, mehr oder weniger aktuell, den Soundtrack zu The Social Network von Trent Reznor. Soundtracks finde ich generell in den meisten Fällen ganz fantastisch, aber das schrob ich irgendwann schonmal.
Die letztgenannten Genres gehören zu denen, die ich meistens laufen habe, wenn ich am Mac sitze und schreibe, respektive blogge. Denn eine Sache liegt mir ganz und gar nicht, und das ist die Fähigkeit, mich auf’s Schreiben zu konzentrieren, wenn ich durch äussere Einflüsse abgelenkt werde. Sei es nun ein laufender Fernseher (der bei meinem Weib, denn selbst besitze ich keinen), ein Radio mit dummen Moderatoren, die dauernd irgendwelchen sinn- und inhaltslosen Dreck daherreden oder Musik mit Gesang. Auch in der Gesellschaft von Menschen fällt mir das konzentrierte Schreiben schwer. Ich gehöre daher nicht zu dieser ultrahippen Generation von Leuten, die sich mit ihrem Macbook in die nächstbeste Starbucks Filiale setzen und bei einem Latte macchiato ihre geistigen Ergüsse ins Netz schleudern. Ein bisschen beneide ich solche Menschen um ihre Fähigkeit, alles um sich herum auszublenden und sich nur darum zu kümmern, ihre Gedanken in Worte zu fassen und diese zu Papier, beziehungsweise auf den Bildschirm zu bringen. Ich lasse mich zu leicht von meiner Umgebung ablenken und brauche Ruhe zum schreiben. Habe ich diese Ruhe nicht, kann ich keine klaren Gedanken fassen oder zusammenhängende Sätze formulieren, was mich ziemlich schnell frustriert. Allerdings höre ich trotzdem gerne ein wenig Musik beim Schreiben. Sie hilft mir manchmal dabei, mich in die richtige Stimmung zu versetzen oder mich zu inspirieren. Aber es muss eben ganz bestimmte Musik sein. Musik, die einen Klangteppich ausbreitet, mich beim Schreiben begleitet und mir hilft, meine Gedanken fliegen zu lassen. Sie darf nicht dazwischenfunken oder mich aus meiner Konzentration reissen. Sie muss beiläufig sein, aber nicht so belanglos wie Fahrstuhlmusik. Sie muss Emotionen herbeiführen, aber darf mich nicht aufwühlen. Sie muss sich ausblenden, wenn ich konzentriert schreibe, soll mich aber auffangen, wenn ich inne halte und nach Worten oder Formulierungen suche.
Und da ich gerade durch den iTunes Store stöberte und feststellen musste, dass ich, gefühlt, so ziemlich alles an guter schwarzer und independanter Musik besitze, was der Store hergibt, suchte ich mal ein wenig nach neuer ‘Schreibmusik’ und wurde bei Massive Attack, Jean Michel Jarre und Röyksopp fündig. Alle drei gekauften Alben sind uralt, aber mehr als grossartig und stehen schon seit langem auf meiner Liste von Alben, die ich mir noch zulegen will. Aber wie das so ist: Man kommt zu nichts und dann vergisst man’s und ihr wisst wie das alles ist.
Und ganz nebenbei fällt mir gerade ein, dass ich irgendwann auch mal die Idee hatte, hier Mixtapes in Form von Grooveshark-Playlisten zu posten und ich glaube, Schreibmusik wäre ein tolles Thema für einen ersten Blogeintrag in dieser Rubrik. Kommt dann wohl demnächst.
Aus der Rubrik: Blogeinträge die inhaltlich eigentlich ganz anders geplant waren, dann beim Schreiben aber zum Selbstläufer wurden, viele verschiedene Themen anschneiden, plötzlich und abrupt enden und den Leser am Ende völlig verwirrt zurücklassen.