Bosch und Römermann.
Wenn ich nun die Gelgenheit nutze und einen Blogbeitrag schreibe, in dem ich meine Vorliebe für die Fernsehsendung Roche und Böhmermann kund tue, so bin ich damit ganz sicher nicht der erste und laufe Gefahr, dass dieser Artikel in eurem Feedreader zusammen mit einem “Orrr, der auch noch…!” ungelesen als gelesen markiert wird. Ich tue es aber trotzdem.

Denn Roche und Böhmermann ist eine wirklich gute Sendung. Und ich muss gestehen, dass ich, obwohl ich schon seit längerem von ihrer Existenz weiß, erst vor kurzem angefangen habe, sämtliche, bisher ausgestrahlten Sendungen im iTunes Podcast Verzeichnis nachzuschauen. Das hat zwei Gründe: Der simplere von beiden ist der, dass die Sendung in einem beinahe ausgestorbenen Medium namens Fernsehen ausgestrahlt wird. Da gibt’s feste Sendezeiten zu denen man zuhause und wach sein, und bestimmte Kanäle die man erst einmal mit seiner DVBT-Zimmerantenne empfangen und einschalten können muss. Der kompliziertere Grund ist der, dass mir eine Sendung, die in irgend einem Spartensender vom ZDF läuft, auf dem auch Formate wie Bambule mit der sehr hassenswerten Sarah Kuttner, oder diese Sendung mit dem mindestens genau so unsympathischen Benjamin von Stuckrad-Barre zum Inventar gehören, mit einer gewissen Quantität an stereotyper pseudo-intelektueller Wannabe-Hipster-Stimmung entgegenkommt und ich gar nicht erst den Drang verspüre, dort mal reinzuschalten. Daher schenkte ich dieser Sendung eine ganze Weile einfach keinerlei Beachtung.
Mein Interesse wurde dann aber geweckt, als ich irgendwo (Ich glaube es war in der INTRO) einen Artikel über eine der letzten Sendungen las, in der unter anderem zwei drittel von Die Ärzte zu Gast waren. Der Autor bezeichnete diese Ausgabe als eine der schlechtesten bisher, weil offenbar nur oberflächliche Gespräche stattfanden und jeder der Gäste versuchte, sein unfassbar cooles Gesicht zu waren, ohne zuviel von sich preis zu geben. Aus irgend einem Grund brachte mich dieser Artikel dann dazu doch mal bei iTunes nach Roche und Böhmermann zu suchen und mir eben diese Folge anzusehen.
Keine echte Talkshow
Im Grunde hatte der Autor recht. Die Sendung war womöglich wirklich nicht die beste. Dennoch war ich ab der ersten Sekunde angefixt. Die Musik, die Optik, die allgemeine Aufmachung, die Moderatoren und das gesamte Konzept der Sendung, zu dem auch gehört, dass die Gäste am Tisch rauchen und Alkohol trinken, schaffen einfach eine wunderbare Atmosphäre einer 60er Jahre Talkshow.
Charlotte Roche kenne und liebe ich noch aus alten Fast Forward Zeiten bei VIVA II. Ihren Interviewstil fand ich schon immer sehr amüsant, ehrlich und direkt. Jan Böhmermann kennt man einfach. Aus der Harald Schmidt Show und von hier und dort und überall irgendwie. Ich kenne ihn vor allem auch daher, dass mir oft von verschiedenen Personen eine beinahe gruselige, optische Ähnlichkeit mit ihm nachgesagt wird. Allerdings muss ich ganz klar einräumen, dass er wesentlich offener mit seinen Geheimratsecken umzugehen weiß als ich eitle Drecksau.
Kein Tiefgang
Einige Leute kritisieren an der Sendung, dass zu viele Gäste am Tisch sitzen, was zumeist dafür sorgt, dass den einzelnen Gästen nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt wird oder Themen nur oberflächlich angekratzt und nur selten vertieft werden. Ich denke, dass genau das die Stärke der Sendung ist. Es ist im Grunde keine Talkshow. Es ist eine gemütliche Runde, wie man sie vielleicht auch mal im eigenen Freundeskreis in Bars, Restaurants oder Zuhause abhält. Der eine redet mehr, der andere weniger. Manche Themen sind von allgemeinem Interesse und werden minutenlang durchdiskutiert, andere nur kurz angeschnitten und dann wieder verworfen. Die Moderatoren wissen das selbst und gehen darauf auch oft nach der Sendung ein, wenn sie allein am Tisch sitzen und die Show Revue passieren lassen. Hier ist oft auch Platz für harsche Kritik an den vorangegangen 60 Minuten.
Die Dynamik innerhalb der Runde bietet eine Menge Potenzial, welches mal bis zum letzten ausgeschöpft wird, und mal nicht. Hier ist nichts durchgeskriptet, hier ließt niemand seine vorbereiteten Fragen von Karten ab, obwohl diese auf dem Tisch liegen und hier hat kein Gast vorgegebene Redezeiten. Hier herrscht einfach Chaos. Das merkt man auch daran, dass Charlotte und Jan auch innerhalb der Sendung über ihre gegenseitige Vorangehensweise in der Moderation oder dem Umgang mit Gästen diskutieren. Aber nicht nur im Umgang mit sich selbst, sondern auch mit ihren Gästen nehmen die beiden kaum ein Blatt vor den Mund. Manch ein Kritiker wirft ihnen hier vorsätzliche Effekthascherei und gewollte Provokation vor. Ich allerdings finde, dass man durchaus erkennt, dass eine Frau Roche es ernst meint und auch im Nachhinein dazu steht, wenn sie Max Herre vorwirft, dass seine Texte früher besser waren als heute und ihn fragt, ob er früher Schreiber hatte. Max Herres Reaktion auf diese Aussage zeigte übrigens, dass er eine sehr schlechte Wahl für ehrliche Interviews ist und eigentlich nur gerne sein neues Album promoten möchte und dauernd hören will, wie toll das doch alles ist, was er so macht.
Totales Chaos
Jan Böhmermann nutzt oft Chancen, um fiese Sticheleien unterzubringen, die ihn vielleicht etwas oberflächlich erscheinen lassen, aber auch er kann zuhören und ehrliche Meinung zu gegebenen Antworten äussern. Er unterbricht auch gerne mal und stellt seine Gäste auf eine harte Probe, wenn beispielsiweise Christopher Lauer seinen gesamten Hass zu spüren bekommt, was mich sehr amüsierte.
Nicht zuletzt macht die Sendung auch immer wieder wegen ihrer kleinen Gimmicks Spass. Egal, ob nach der Sommerpause ein neues, mehr auf die Massen zugeschnittenes Studiodesign eingeführt wurde, welches dann im Laufe der Sendung als doch nicht so gut empfunden und wieder gegen das originale ausgetauscht wurde, ob pikante Sätze mit einem von den Gästen und Moderatoren selbstständig auslösbarem Knopf rausgepiept werden oder dieser Knopf in einer anderen Sendung dazu dient, um lustige Videomeme abzuspielen. Die Sendung überrascht jede Woche auf’s neue mit Unerwartetem.
Nichts für mich
Roche und Böhmermann ist möglicherweise nicht jedermanns Sache, aber jeder sollte zumindest einmal reingeschaut haben und sich erst dann ein Urteil bilden. Ich persönlich bin von der Sendung sehr angetan und suche mir immer die schönste Stunde des Sonntags aus, um mein iTunes zu starten und mir die Sendung bereits vor Ausstrahlung im Fernsehen anzusehen. Meiner Meinung nach so ziemlich das beste, was man derzeit im Fernsehen schauen kann.

Bleibt nur eine Frage, Herr Bastard: Warum ist Sarah Kuttner hassenswert?
Ich finde die Sendung sucht wirklich ihresgleichen!
Roche ist einfach die beste Interviewerin und laut ihrem Moderationspartner eine “laufende Kettensäge”.
Kann ich nur unterzeichnen!
Königliche Grüße an den Bastard!
@Vergraemer Ach, das ist nur meine persönliche, ganz subjektive Meinung. Ich mag einfach ihre Art, ihre Stimme und ihre ganze Persönlichkeit nicht. Ausserdem finde ich sie dumm und nervig. Aber wenn man sie näher kennt ist sie bestimmt total sympathisch. Ich bin einfach ein ekelhaft vorurteilsbehaftetes Charakterarschloch.
Oder… nee Moment. Doch nicht. Sie ist einfach kacke.
danke für den tollen tipp. hatte einmal im tv reingeschaut, es aber nicht besonders interessant gefunden und weiter gezappt. sehe gerade die neueste episode und muss sehr lachen. muss bei roche jedoch immer an “feuchtgebiete” denken aber das wird wohl vielen so gehen.